Western (Deutschland, Bulgarien, Österreich 2017)

„Du findest das lustig, aber bald wirst Du weinen.“

 

Film: Western, Quelle: filmbulletin

Pressestimmen

Western. Wie das Genre. Zwei Cowboys, der eine gut, der andere böse. Eine Kleinstadt irgendwo in der Einöde. Eine Frau, die zwischen den beiden steht. Und dann die Frage nach der Dominanz. Wer wird gewinnen?

Männlichkeit ist kompliziert. Vor allem in einer Welt, wo der Kapitalismus und die Geldnot schneller emaskulieren als alles andere. Es ist eben nicht so einfach wie im Western, wo man mit Colts, einem guten Spruch und einer Geste der Bringer ist.

Wer das Duell letztendlich gewinnt, ist egal. Vielleicht kommt es nicht einmal dazu. Und wenn doch, dann anders als im Film. Viel wichtiger ist in Western die Beobachtung, das langsame Erkennen dieser Erfahrungen, dieser Identitäten. Und diese werden, und das ist das wahrlich interessante und revolutionäre, aus Frauensicht gezeigt. Grisebachs Team waren fast ausschließlich Frauen. Die DarstellerInnen fast ausschließlich Männer. Das Beobachten des anderen Geschlechts, hier ist es umgedreht, neugierig, präzise und verdammt spannend.“ Beatrice Behn für Kino-Zeit

Film: Western, Quelle: Piffl Media

„Wie großartig Valeska Grisebachs Filme sind, merkt man so richtig erst ein paar Wochen später, nachdem man sie gesehen hat. Dann stellt man überrascht fest, wie nah einem die Figuren noch sind und wie sehr einen noch die Frage umtreibt, warum sie so in diesem einen Moment gehandelt haben. Grisebach verführt zu Nähe und Mitgefühl, und wie die besten Verführer macht sie das mit größtmöglicher Ehrlichkeit. „Bei mir liegen die Karten auf dem Tisch, ich benutze keine Tricks“, sagt sie.

Ihr neuester, erst dritter Film heißt deshalb auch „Western“ – weil er ein Western ist, mit kernigen Männern unter brennender Sonne, mit Pferden, Duellen und Frauen, um die gestritten wird.

Aber auch ein Western, bei dem es um viel mehr geht. Um die Suche in der Fremde, an der Grenze – nach sich selbst, nach dem Glück, nach Zugehörigkeit, nach einem Neuanfang. Und alles erzählt anhand einer Gruppe von deutschen Bauarbeitern im Einsatz an der bulgarisch-griechischen Grenze, gespielt von echten Bauarbeitern. Es mag sich nicht nach dem wohl schönsten deutschen Film des Jahres anhören, doch „Western“ ist es.“ Hannah Pilarczyk für Spiegel online am 25.08.2017

Film: Western, Quelle: Piffl Media

Statt für eine stringente Handlung mit erwartbarem Showdown interessiert sich Grisebach für Momente der Begegnung. Die Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte schwingt entsprechend immer mit, doch trägt der Film sie nicht als schweren Überbau mit sich herum. Vielmehr lebt Western von seinen spielerischen und warmen, mitunter sogar lustigen Momenten. Wenn etwa Meinhard sich in den schummrigen Sommernächten Stück für Stück mit dem warmherzigen Adrian verbrüdert und beide trotz Sprachbarriere tief in die Seele des anderen blicken, bevor die wortkargen Männer wenig später zu lachen beginnen, dann entfaltet der Film wundersam entrückte und berührende Momente, in denen die Brüderschaft von Winnetou und Old Shatterhand genauso präsent ist wie die Begegnung zweier heimatloser Männer, die mit ihrer Einsamkeit in einer globalisierten Welt kämpfen.“Marian Petraitis für filmbulletin am 04.09.2017

Film: Western, Quelle Piffl Media

Wie beiläufig sucht Valeska Grisebach die Spuren eines romantischen Männerbildes und befragt es zugleich.  Ihre Darsteller hat Valeska Grisebach tatsächlich im Bauarbeitermilieu gesucht und gefunden, Dialoge und Teile der Handlung mit ihnen gemeinsam erarbeitet. Doch nicht eine Sekunde lang hat man das Gefühl, dass sich die Männer selbst spielen. Eher begegnet man Typen, die auf sehr wahrhaftige Weise in ihrer Haut stecken. In jedem Moment ist der Film mitten im Leben und bigger than life.“ Katja Nicodemus für Zeit online am 23. August 2017

 

Regisseurin Valeska Grisebach, Quelle: EPA/GUILLAUME HORCAJUELO

„Ich mag es, wenn es knirscht, wenn Naturalismus auf Künstlichkeit trifft und die Bilder verschiedene Angebote zugleich machen“, sagt Grisebach. Um diese Balance genau zu treffen, braucht es selber einen hohen Grat an künstlerischer Kontrolle – und diese erreicht Grisebach ausgerechnet, indem sie nur mit Laiendarstellern arbeitet. „Die Wirklichkeit ist wie ein Sparringspartner. Erst im Abgleich weiß ich, ob ich richtig liege.“

In Grisebachs Filmen ist, im Gegensatz zum immer noch prominenten Mumblecore-Impro-Ansatz im deutschen Kino, allerdings nichts improvisiert. Ihre Drehbücher entstehen in langer, im Fall von „Western“ vier Jahre langer, Vorbereitung. Allein die genauen Dialoge entwickelt sie in enger Zusammenarbeit mit den Darstellern, um eine möglichst authentische Sprache zu finden.

Gerade bei „Western“ war dieser Austausch entscheidend, denn immer wieder ging es darum, sich in eine nahezu archaische Kommunikationssituation zu begeben: Die Männer, sowohl die Bauarbeiter als auch die Dorfeinwohner, sprechen die Sprache der anderen nicht, auch Englisch hilft nur notdürftig weiter. Welche Worte verstehen alle trotz der großen Barrieren? Welche Gesten sind eindeutig, welche missverständlich?

In einem Film, der von der Körperlichkeit der Männer durchdrungen ist, von harter Arbeit und direktem Kräftemessen, wird so auf wunderbare Weise gleichzeitig auch der Brüchigkeit und Durchlässigkeit von Sprache nachgespürt. „Letztlich“, sagt Grisebach, „zeige ich in dem Film auch etwas, was ich nicht unbedingt Utopie nennen möchte. Aber ich glaube daran, dass sich die Menschen verstehen können.“ Hannah Pilarczyk für Spiegel online am 25.08.2017

 

Film: Western, Quelle: Kino-zeit

„Western“ am 13. März um 20:15 im Kino Rosental.