The Party (2017, Grossbritannien)

„Ist einem von euch Wahrheit als Konzept bekannt?“ Tom

Warum ist der Film The Party sehenswert?

Cineclub Mitglied Sybille Falkenbach: „Vier gute Gründe: Der Film ist lustig, kurz,  in Schwarz-Weiss und Bruno Ganz spielt mit.“

Film: „The Party“, Quelle: Kino zeit.de

Pressestimmen

Den Kern des Zaubers entdeckte Sally Potter vor über fünfzig Jahren, als sie mit einer geliehenen 8-mm-Kamera Kurzfilme zu drehen begann: «Ich hatte früh Gedichte geschrieben, bald führte ich eigene kleine Stücke auf. Als ich aber als Teenager erstmals durch die Linse sah, merkte ich: Da kommt alles zusammen – Bild, Geschichte, Bewegung, das Geheimnis», erzählt die Regisseurin in einem Zürcher Hotelraum. Die Magie hält bis heute an: «Alles ist möglich in diesem Rahmen, der die Dinge aus dem müden Alltag zieht, so dass sie klarer werden.» Die bündelnde Kraft, die sie an der Kunst so fasziniert, sei umso wichtiger, seit eine Flut an Bildern und Informationen viele und vieles fast ertränke.“ Urs Bühler für NZZonline am 26. Juli 2017

 

„The Party ist kein formal oder erzählerisch rückwärtsgewandter Film, sondern ein ebenso zeitloser wie aktueller Kommentar zum Status quo der sogenannten Eliten des Vereinigten Königreiches, zu ihren Lebenslügen und ihrer moralischen Biegsamkeit. Dass dabei trotz all der allzu menschlichen Schwächen die Sympathien des Zuschauers für diese Menschen niemals verloren gehen, ist das große Mysterium dieses Films und nur eine seiner zahlreichen Stärken. Ein Meisterwerk der Tragikomödie und ein verdammt großer Spaß!“ Joachim Kurz für kino-zeit.de

Film: „The Party“, Quelle: spiegel.de

„The Party ist eine funkelnde, temporeiche Konversationskomödie, die den Geist der großen Screwball Comedies wiederbelebt. Fängt an und ist gefühlt gleich wieder vorbei. Alles very british. Das Upperclass-Ambiente, der linksliberale Touch, die beißende Ironie.“ Barbara Möller für welt.de am 27. Juli 2017

„The Party – das sind 70 Minuten Echtzeit, im Juni 2016 zu 90 Prozent mit Handkamera (Aleksej Rodionow) gedreht, also zu der Zeit, als die Briten per Referendum darüber entschieden, die Europäische Union zu verlassen. In diesem Film gibt es keinerlei Verstecke, und wenn einmal kurz ein Revolver im Bad unter einem Haufen Wäsche verschwindet, weiß man als Zuschauer, dass die Waffe quasi gesetzmäßig wiederauftauchen muss – zu einem bestimmten Zweck.“ Anke Westphal für spiegel online am 25. Juli 201

Film: „The Party“, Quelle: spiegel.de
Peter Beddies hat mit Sally Potter in Berlin über ihren Film "The Party" gesprochen. Das Interview wurde auf filmclicks.at am 28. Juli 2017 veröffentlicht.
Regisseurin Sally Potter

FilmClicks: „Lassen Sie uns mit der Form beginnen. Warum haben Sie „The Party“ in Schwarz-Weiß gedreht?“

Sally Potter: „Ich liebe Schwarz-Weiß. Manchmal gibt einem die Farbe zu viel Informationen jenseits der Geschichte. Schwarz-Weiß ist herrlich nüchtern und zugleich kann es poetisch sein. Ich finde, es zwingt einen, hinzusehen. Und genau das wollte ich. Eine intensive Seh-Erfahrung. Im Gegensatz zum Schwelgen, das sich beim Farbfilm vielleicht eher einstellt.“

Filmtricks: „Und warum dauert „The Party“ kaum mehr als eine Stunde? Sollte es der kürzeste Spielfilm aller Zeiten werden?“

Sally Potter: „Zunächst einmal: Ich wollte nicht, dass die Zuschauer das Gefühl bekommen, ihre Zeit würde vergeudet. Aber im Ernst: Es ist ein ökonomisches Problem, auf das ich hinweisen wollte. Egal, wohin Sie in unserer westlichen Gesellschaft schauen: Wir haben ein Übermaß an allem! Vom Internet angefangen bis zu den Dingen, die wir besitzen – von allem zu viel. Darüber hinaus wollte ich einen wahnwitzig komischen Film machen. Das geht am besten bei einem kurzen Film.“

Filmtricks: „Waren die 71 Minuten das Ziel?“

Sally Potter: „Nein, ich dachte eher an ungefähr 80 Minuten. Aber dann wurde „The Party“ beim Schneiden und Fokussieren auf die Dialoge immer kürzer. Irgendwann hat jemand aus dem Team mal nachgeschaut, wie kurz man überhaupt werden darf, damit eine Produktion noch als Spielfilm durchgeht.“

FilmClicks: „71 Minuten?“

Sally Potter: „Nein, es sind genau 70 Minuten. Darunter wäre es ein mittellanger Spielfilm. Also haben wir probiert und probiert. Geschaut, was man noch weglassen kann. Und letztendlich waren es halt 71 Minuten.“

Filmtricks: „Generell gesehen sind viele Filme…“

Sally Potter: „…zu lang, viel zu lang.“

Film: „The Party“, Quelle: spiegel.de

Filmtricks: „Sie haben schon erwähnt, dass „The Party“ sehr witzig ist. Zugleich aber auch sehr düster. Man weiß manchmal nicht, ob man über dieses Geplänkel über die Politik lachen soll.“

Sally Potter: „Wenn ich mir etwas wünschen darf, dann soll man darüber lachen. Und sich dabei aber auch überlegen, was man da sieht. Unsere Hauptfigur Janet ist ein Mensch, der als Politiker die besten Absichten hat. Aber wohin führt das, wenn diese Absichten dem Praxistest unterworfen werden? Darüber lohnt es sich, mal nachzudenken..„The Party“ ist ein liebevoller Blick auf das Scheitern.“

Filmtricks: „Haben Sie sich die ganze Geschichte ausgedacht oder sind Sie auf Politiker zugegangen und haben sich von deren Erfahrungen etwas erzählen lassen?“

Sally Potter: „Ich habe schon meine Recherche gemacht. Ich habe mir zum Beispiel einen Parteitag angeschaut. Einfach da gesessen und zugehört und zugeschaut. Das war extrem interessant und aufschlussreich. Dann gibt es diese wunderbar langweiligen TV-Stationen, die nichts anderes übertragen als Parlaments-Debatten. Stundenlang habe ich mir das angeschaut. Dort kann man sehr viel darüber lernen, wie sich Politiker benehmen und verhalten. Und dann habe ich noch eine Labour-Politikerin besucht und durfte sie ausfragen. Aber ich musste ihr versprechen, dass ich nie ihren Namen verrate.“

Filmtricks: „Sie haben „The Party“ in sehr kurzer Zeit gedreht.“

Sally Potter: „Das passt wieder zu dem Aspekt, dass man sich beschränken sollte. Ich wollte zum Drehen exakt die Zeit verwenden, die wirklich nötig war. Das heißt ja nicht, dass der komplette Film in der Zeit entstanden ist. Ich habe Monate vorher Kontakt zu meinen Schauspielern gehabt. Mal bin ich zu ihnen mit dem Zug gefahren oder geflogen, mal haben wir per Skype miteinander kommuniziert. Alles sollte vorher besprochen und geklärt sein, damit wir beim Dreh so wenig Zeit wie möglich verschwenden.“

Filmtricks: „Der Film besteht vor allem aus Dialogen. Hätten Sie auch ein Theaterstück daraus machen können?“

Sally Potter: „Vielleicht, aber ich wollte nicht! Ich habe auch nichts dagegen, wenn mir jemand sagt, dass „The Party“ wie ein gutes Bühnenstück funktioniert. Aber das hier war schon immer als Film gedacht. Wie die Kamera sich bewegt, wie sie Menschen verfolgt, ihnen nahe kommt und dann wieder fern ist. Welche Dynamiken sich daraus ergeben. Das hat mich interessiert.“

Filmtricks: „Was war für Sie die größte Herausforderung dabei, „The Party“ in einem Raum und in Echtzeit spielen zu lassen?“

Sally Potter: „Ganz einfach. Ich wollte diese sieben Menschen in dieses Zimmer, man könnte auch sagen, in diesen Dampftopf, werfen. Jeder hat seine eigene Meinung zu Beginn des Films. Wie bekomme ich es hin, dass 71 Minuten später jeder Schauspieler eine andere Position bezieht? Und wie schaffe ich es, dass es den Zuschauer nicht langweilt? Das war meine große Herausforderung. Ich fände es schön, wenn die Zuschauer den Kinosaal verlassen und sagen: „Das und das hatte ich so nicht erwartet“. Und vor allem: „Wir sind alle Menschen, die das Gute und das Böse in uns tragen“.“

Filmtricks: „Mitten in die Dreharbeiten von „The Party“ fiel das Brexit-Votum. Wie hat sich das angefühlt am Tag danach?“

Sally Potter: „Wie ein Schlag mit einer großen Keule. Am Abend des Votums sind wir auseinander gegangen und haben noch gescherzt, dass doch wohl niemand auf die Idee käme, Europa zu verlassen. Und dann treffen wir uns am nächsten Morgen wieder. Es lag ein bleiernes Gefühl über dem Team. Aber das hat nur solange angehalten, bis uns klar war, dass dieser Film jetzt noch wichtiger werden wird.“

Filmtricks: „Am Tag nach dem Brexit waren Sie ja so eine Art Regierungschefin Ihres Filmteams. Wie haben Sie sich verhalten?“

Sally Potter: „Ich habe wahrscheinlich noch nie so viele Menschen umarmt wie an jenem Tag. Habe mir ganz viele Geschichten von Leuten angehört, die sich mies gefühlt haben. An dem Tag war es einfach wichtig, miteinander zu reden, füreinander da zu sein. Was mir an den Schauspielern an diesem Tag besonders auffiel. Sie kamen zu mir und sagten: „Jetzt erst recht, Sally! Wir machen einen politischen Film. Denen werden wir es zeigen!““

Film: „The Party“, Quelle: weltkino

„The Party“ am 19. September um 20:15 im Kino Rosental.