Neruda (2016, Chile)

„Ich werde verfolgt. Sogar an dem Ort, wo ich das nie für möglich gehalten hätte.“ Pablo Neruda

Warum ist der Film Neruda sehenswert?

Vorstandsmitglied Eleonora Farinello: „«Neruda» besticht mit wunderschönen, poetischen Bildern und einer etwas surrealen Erzählweise. Für mich einer der schönsten Filme der letzten Jahren!“

Film: „Neruda“, Quelle: Piffl Medien

Pressestimmen

«Neruda» ist ein Film, der mehr noch als die einfache Geschichte eines politisch verfolgten Künstlers die Möglichkeiten auslotet, wie man eine solche Geschichte erzählen kann. Nicht nur die hellen, geradezu blendenden Bilder suggerieren einen traumhaften, leicht irrealen Zustand. Auch in der Handlung, die von der Stimme des Detektivs erzählt wird, finden sich so manche Zeitsprünge, Brüche und Widersprüche. Es geht also nicht um den Dichter selbst, sondern um dessen Verhältnis zur Wirklichkeit. Und die ist politisch.“ Tobias Sedlmaier für NZZ online am 22.02.2017

„In „Neruda“ herrscht durchweg Hochbetrieb. Figuren wuseln durch Schauplätze und Dekors, Hintergründe wechseln mitten im Dialog. Auch die Kamera kreist und drängt unaufhaltsam, wendet sich mal dem Peripheren, mal dem Kerngeschehen zu. Sogar der Off-Erzähler scheint keine sonderlich verlässliche Instanz zu sein: „Hier betrete ich die Bühne. Als weißes Blatt“, erklärt die Stimme, die dem regimetreuen Polizisten Óscar Peluchonneau gehört. Mit diesem so melancholischen wie vertrottelten Polizisten tritt eine fiktive Nebenfigur ins Zentrum der Geschichte, die sich im Moment des Erzählens erst zu schreiben scheint. Und wieder ist der Film um einige Meta-Ebenen reicher: Elemente des Film noir, der Komödie und des Westerns mischen die Geschichte einer politischen Flucht auf.“ Esther Buss für der Tagesspiegel online am 23.02.2017

Film: „Neruda“, Quelle: Piffl Medien

„Man muss sich den chilenischen Regisseur Pablo Larraín als jemanden vorstellen, der eine schwierige Prüfung zu bewältigen hat. Er weiß, was von ihm erwartet wird und wie er vorgehen könnte. Aber er hat keine Lust, sich nach allen Regeln der Kunst abzumühen. Er taucht frech vor den Anforderungen ab, versucht es sich leichter zu machen. Doch dazu ist er irgendwie zu gut. Weshalb das, was er am Ende abliefert, zwar seine Renitenz klar erkennen lässt, aber zugleich die gestellte Aufgabe elegant erfüllt.“ Merten Worthmann für Zeit online am 23.02.2017

Regisseur Pablo Larrain
Die Interviews mit dem Regisseur Pabloo Larrain und dem Neruda-Darsteller Luis Gnecco entstanden für die Pressemappe des deutschen Verleihers Piffl Medien.

Interview mit Regisseur Pablo Larrain:

Warum wollten Sie kein konventionelles Biopic machen?

Pablo Larrain: „Biopics sind eine gefährliche Sache, denke ich. Ich habe vier Biografien über Neruda gelesen, unzählige Essays, seine Autobiografie, ich habe mit Leuten gesprochen, die ihn gekannt haben, ich habe einen Film gemacht, der „Neruda“ heißt. Und ich kann Ihnen nicht sagen, wie Neruda wirklich war. Er ist nicht zu fassen, es ist nicht möglich, ihn in eine Schublade zu stecken. Der Kosmos, den er geschaffen hat, ist unermesslich. Neruda hat über ganz verschiedene Dinge auf vielfältige Arten und Weisen geschrieben, sein Werk ist ungeheuer komplex und tief und vielschichtig. Wenn man das einmal verstanden hat, gibt einem das eine große Freiheit.“

Sie zeigen Neruda auch im Widerspruch zwischen politischer Überzeugung und dem eigenen Leben als Bonvivant.

Pablo Larrain: „Neruda war ein großer Liebhaber guter Küche, des Weins, der Frauen, der Literatur – das im Film wegzulassen, wäre mir grausam vorgekommen. Und falsch. Der Widerspruch zwischen politischen Positionen und eigenem Leben musste vorkommen. Die Dichtung von Neruda ist auch ein Ergebnis seines Lebens.

Die Ähnlichkeit von Luis Gnecco mit Pablo Neruda ist verblüffend. HAt das Maskenbild viel dazu beigetragen?

Pablo Larrain: „Da Luis Gnecco eine Glatze hat, haben wir eine Perücke gebraucht, das war alles. Die große Herausforderung für Luis bestand darin, auf das Gewicht von Neruda zu kommen: Das war eine kleine Tragödie für ihn, denn seit ich ihn kenne, hat er immer mit seinem Gewicht gekämpft. Als ich ihn gefragt habe, ob er Neruda spielen wolle, hatte er es gerade geschafft, abzunehmen – und nun musste er für die Rolle wieder 25 Kilo zulegen. Ich bin sehr glücklich, dass er das gemacht hat, er ist fantastisch. Und nach dem Dreh hat er es geschafft, die Neruda-Kilos wieder loszuwerden.“

Was hat Sie an dem Motiv von Nerudas Flucht gereizt?

Pablo Larrain: „Pablo Neruda mochte Krimis – darum ist der Film als Road Movie mit dem Motiv der polizeilichen Ermittlung angelegt: Genres, die überraschende Wendungen einbeziehen, sich entwickelnde Charaktere und wie bei uns auch Elemente der Farce und des Absurden. Wir sehen die Landschaften und die Bewegungen in ihr als einen Prozess der Transformation, des Begreifens, der Illumination. Keiner endet hier so, wie er begonnen hat, weder der Jäger noch der Gejagte. Wir wollten eine Welt erfinden, so wie Neruda sich die seine erfunden hat. Unser Film ist wahrscheinlich weniger ein Film über Neruda als einer in seinem Geist –vielleicht ist er auch beides zusammen. Wir wollten einen Roman erzählen, von dem wir gerne hätten, dass Neruda ihn mit Vergnügen liest.“

Film: „Neruda“, Quelle: Piffl Medien

Interview mit Luis Gnecco:

Was hat es für Sie bedeutet eine legendäre Persönlichkeit wie Neruda zu spielen?

Luis Gnecco: „Als ich gefragt wurde, ob ich die Rolle spielen wolle, sagte ich sofort zu – und bekam erstmal Angst. Allein die Idee, einen Zugriff auf das unermessliche Leben dieses Giganten zu wagen, versetzte mich in eine Art Schockstarre. Nachdem ich dann an der Oberfläche dieses einen Abschnitts des Lebenswerks Nerudas gekratzt hatte, um den es im Film geht, tauchte ich langsam wieder auf. Ich las das Drehbuch und bekam eine Ahnung von der Größe der Herausforderung. Ein Film, der nicht den Mythos dekonstruieren will, sondern den Protagonisten als Menschen aus Fleisch und Blut begreift. Neruda war immer widersprüchlich, so empfindsam, wie ein Mensch nur sein kann, sinnlich, hedonistisch – und gleichzeitig politisch denkend und aktiv. Brilliant und entschlossen, manchmal schwach, sogar oberflächlich.“

Wie haben Sie mit Pablo Larrain die Figur Nerudas gestaltet?

Luis Gnecco; „Pablo Larrain ist einer der Regisseure, die verstehen und damit vertraut sind, wie Schauspieler in eine Geschichte und eine Figur eintauchen, und die sogar voraussehen, wo wir vermutlich untergehen und wo wir wieder auftauchen werden. Jeder Tag auf dem Set bedeutete die Einladung, einen Stoff aus den Materialien zu weben, die man selbst mitgebracht hatte. Und dann webt man und webt nochmals ganz anders, bis ein Stoff entsteht, der überhaupt nicht so ist, wie man ihn erwartet hat. Mir hat es sehr geholfen, dass Pablo von Anfang an gesagt hat, dass er selbst auch kein vorgefertigtes Strickmuster für diesen Stoff habe. Es ging um die Bereitschaft, an diesem Stoff zu weben, und die Verabredung, dass es in diesem Prozess zwei brauchen würde, Schauspieler und Regisseur, die von der ersten bis zur letzten Masche involviert sind.“

Warum haben Sie Ihrer Interpretation so viel Humor beigegeben?

Luis Gnecco: „Es heißt, Neruda habe sehr viel Humor gehabt. Aber ich glaube nicht, dass meine Interpretation darauf angelegt ist. Unser Neruda hat Humor, wie andere Menschen auch, er verdaut, er geht aufs Klo, er lacht, er liebt gutes Essen, er kann ärgerlich werden: eben das, was jedem menschlichen Wesen eigen ist. Das Überraschende liegt vielleicht darin, dass wir diese Figur für einmal nicht auf einem Sockel sehen, sondern als einen, der sich benimmt wie wir alle.“

Film: „Neruda“, Quelle: Piffl Medien

„Neruda“ am 25. März um 20:15 im Kino Rosental.