Mustang (Fran/Deu/Tur 2015)

Was darf Freiheit kosten?

Warum ist der Film Mustang sehenswert?

Vorstandsmitglied Rosie Bühler: „Wegen der Bildgestaltung…Dieses Licht verzaubert alles. Das Thema bleibt bedrückend, aber durch das Sonnenlicht wird es erträglicher…“

Film: „Mustang“ Quelle: imdb.com

Pressestimmen

“Ein türkisches Dorf, weit entfernt von Istanbul. Zwei Familien sind zusammengekommen, um ihre Kinder miteinander zu vermählen. „Das ist Sonay, sie ist einzigartig“, preist die Großmutter ihre Enkelin an. Kaum sind die beiden aus dem Raum, macht die widerwillige Braut deutlich: Wenn sie diesen Mann heiraten muss, wird sie laut schreien, jetzt sofort. Also stellt sich kurz darauf die nächste Enkelin der künftigen Familie vor. „Das ist Selma“, sagt die Oma, „sie ist auch einzigartig.“

Wie austauschbar die Ehepartner einer Zwangsheirat unweigerlich sein müssen, wie leer dadurch die (Glücks-)Versprechungen, das macht der Film Mustang mit einer einzigen Szene deutlich. Sie lebt von ihrer Absurdität, jener Art des Humors, die neben dem Witz jede Menge Melancholie transportiert.

Sein spezieller Tonfall macht das Langfilmdebüt der türkisch-französischen Regisseurin Deniz Gamze Ergüven zu einem wahrhaft großen Werk, nominiert für den diesjährigen Oscar als bester fremdsprachiger Film.“ Kaspar Heinrich für zeit.de am 26. Februar 2016

 

Film: „Mustang“ Quelle: imdb.com
Auf www.spiegel.de (Ausgabe vom 24.Februar 2016) fand ich dieses Interview mit Regisseurin Deniz Gamze Ergüven. Für Spiegel online fragte Frank Arnold

SPIEGEL ONLINE: Frau Ergüven, gibt es reale Ereignisse, die Sie zu „Mustang“ inspiriert haben?

Ergüven: Jede Szene hat einen wahren Hintergrund, etwa wenn die Mädchen im Meer auf den Schultern der Jungen sitzen oder wenn sie mitten in der Nacht ins Krankenhaus gebracht werden, um festzustellen, dass ihr Jungfernhäutchen noch unversehrt ist. Das erste habe ich selber erlebt, das zweite passierte in der Generation meiner Mutter. Alle diese Geschehnisse sind also real – wie die Mädchen darauf reagieren, ist allerdings Fiktion.

SPIEGEL ONLINE: Dass die minderjährigen Mädchen mit Männern verheiratet werden, die sie zuvor noch nie zu Gesicht bekommen haben, bringt man nicht unbedingt mit der Türkei von heute in Verbindung.

Ergüven: Das existiert durchaus noch. 

SPIEGEL ONLINE: Ist das eine Frage von Stadt und Land?

Ergüven: Nein, die ländlichen Gegenden der Türkei sind ziemlich dünn besiedelt, das spielt sich alles in den Städten ab. Die Szene mit dem Jungfernschaftstest wurde mir von einer Gynäkologin geschildert, die in einem staatlichen Krankenhaus in der Hauptstadt Ankara arbeitet und die erzählte, dass das mehrere Male im Jahr vorkommt, das heißt, es leben in den Großstädten auch Menschen mit traditionellen Werten.

SPIEGEL ONLINE: Gab es je Versuche von staatlicher Seite, das zu verbieten?

Ergüven: Es ist vollkommen verboten. Gesetzlich sind die Frauen geschützt, jeder Nachbar kann die Polizei verständigen und so etwas melden.

SPIEGEL ONLINE: Wie sind Sie an die eindrucksvollen Darstellerinnen der jungen Mädchen gekommen? Bis auf die Darstellerin von Ece ist dies ja ihr Schauspieldebüt.

Ergüven: Das war ein langwieriger Prozess. Die Frau, die für das Casting verantwortlich war, hat Tausende von Mädchen angesehen. Und wir mussten ja gleich fünf Mädchen finden, die zudem in der Gruppe ein bestimmtes Gleichgewicht bilden. Also musste ich ihr Zusammenspiel in allen möglichen Kombinationen ausprobieren. Für mich waren sie wie ein Körper mit fünf Köpfen – eine Hydra. Dadurch kommt auch ein Element des Fantastischen in den Film. Mit ihren langen Haaren erinnern die fünf an junge Fohlen, so kam ich auch auf den Filmtitel.

SPIEGEL ONLINE: Sie bewahren eine gewisse Unschuld…

Ergüven: Ja, gerade in der ersten Szene, wenn sie auf den Schultern der Jungen sitzen. Dass manche konservative Zuschauer das als Sexualisierung wahrnehmen, liegt wohl eher an ihnen. Ich habe mich jedenfalls in der Inszenierung bemüht, das konsequent zu vermeiden. 

Film: „Mustang“ Quelle: imdb.com

Pressestimmen

Mustang ist eine Geschichte des Eingesperrtseins, vor allem aber eine Geschichte des Ausbruchs.

Trotz seiner düsteren und schmerzhaften Themen verströmt Mustang eine ungeheure Energie; die dynamische Inszenierung veranschaulicht den Ausbruchsdrang der Mädchen, die in ihrem eigenen Haus gefangen sind. Selten sah man einen so hervorragenden Kinofilm aus der Mache eines Teams, das hauptsächlich aus talentierten Newcomern besteht.“ Cinema.arte.tv

Film: „Mustang“ Quelle: imdb.com

Regisseurin Deniz Gamze Ergüven: „Ich drehte den gesamten Film in der Türkei, aber es gab so viele Dramen. Drei Wochen vor Drehbeginn verließ der eigentlich vorhergesehene Produzent das Projekt. Eine Woche vor dem Dreh fand ich heraus, dass ich schwanger bin. Wir standen kurz vor dem Abbruch des Films und es gab einen Tsunami nach dem anderen. Drei Tage vor dem Drehstart beschloss ich dann: Wir gehen jetzt durchs Feuer und machen diesen Film. Das war dann ein sehr emotionaler Moment. Die Dreharbeiten selber waren sehr intensiv. Zwölf Stunden pro Tag und das sechs Tage die Woche. Abwechselnd tags und nachts Drehs. Aber es war einfach schön.” deutschlandradiokultur.de am 22.02.2016

Die fünf Hauptdarstellerin mit Regisseurin Ergüvan (dritte von rechts. Quelle: Imdb.com)
Anlässlich der Präsentation von "Mustang" auf dem Filmfestival in Cannes hat Oliver Père die Regisseurin Deniz Gamze Ergüven in Cannes zu ihrem Erstlingswerk interviewt. Es ist ein sehr interessantes Gespräch - auf Französisch. Wer es lieber deutsch syncronisiert ansehen möchte: http://tinyurl.com/z2wtusw.

„Mustang“ am 18. Januar um 20:15 im Kino Rosental.