Lucky (USA 2017)

„Was ich sehe, ist nicht unbedingt dass, was Du siehst.“

Warum ist der Film Lucky sehenswert?

Cineclub Mitglied Sybille Falkenbach: „Wortperlen in der Wüste. Und ein unvergessliches Bild: Harry Dean Stanton in Unterwäsche und Cowboyboots giesst einen Kaktus.“

Film: „Lucky“, Quelle: Magnolia Film

Pressestimmen

„Lucky ist eine Rarität im amerikanischen Erzählkino: ein Film, der vom Tod spricht, ohne ihm Sinn unterzuschieben – untröstlich, aber nicht trostlos, tapfer, aber nicht heroisch. Die Wahrheit, der wir uns stellen müssen, meint der Titelheld einmal, sei diese: dass alles verschwinden wird, „ins Dunkel, ins Nichts“. Und keiner sei dafür zuständig. Als Lucky gedreht wurde, war sein Darsteller Harry Dean Stanton 89; im letzten Herbst ist er mit 91 Jahren gestorben.“ Sabine Horst für dieZeit online, 8.3.2018

David Lynch, der in »LUCKY« als Schauspieler an Stantons Seite war, schrieb zu seinem Tod: „Ein Großer ist von uns gegangen. Es gibt keinen wie Harry Dean. Jeder hat ihn geliebt. Und das mit gutem Grund. Er war ein großartiger Schauspieler und ein großartiger Mensch.“ edp-Film, 20.9.2017

 

Film: „Lucky“, Quelle: Alamode Film

„Der Veteran  Harry Dean Stanton gehört als Haupt- und Nebendarsteller zur ewigen Garde des amerikanischen Kinos. Sein unverkennbares Gesicht und seine schlaksige Gestalt kennen wir aus unzähligen Filmen von «The Last Temptation of Christ» über «Alien» «Wild at Heart»,  Wim Wenders‘  «Paris, Texas». Und natürlich das Herz des Dokumentarfilms «Harry Dean Stanton: Partly Fiction».

Teilweise Fiktion ist nun auch wieder sein Lucky in diesem filmischen Kleinod des Schauspielers John Carroll Lynch. Die beiden Drehbuchautoren Drago Sumonja und Logan Sparks haben eine Sammlung von Sprüchen des zuweilen kauzigen, zuweilen altersweisen Mannes zusammengetragen und über das Drehbuch verteilt, das sie dem Mann auf den knochigen Leib geschrieben haben.

Lucky ist als Film und als Figur ein Wurf, ein popkulturelles Destillat all der Americana, die vom Pioniergeist der Frontier über den Western, den Blues und schliesslich den Rock’n’Roll durch unsere Träume und modernen Mythen schweben.“ Michael Sennhauser für SRF Kultur

 

Regisseur John Carroll Lynch spricht über seinen Film «Lucky» und die Arbeit mit Harry Dean Stanton, der kurz darauf verstarb.

Das Gespräch führte Eric Bacon für Radio SRF Kultur, Kontext vom 18. Januar 2018

Stantons letzter Film – «‹Lucky› ist eine Hommage geworden»

SRF: Sie haben Ihren ersten Film als Regisseur mit dem 90-jährigen Harry Dean Stanton gedreht. Wie ist es dazu gekommen?

John Carroll Lynch: Man hat mir die Idee, eine Skizze und ein frühes Drehbuch geschickt. Was ich las, gefiel mir. Das Drehbuch basiert auf Erlebnissen und Sprüchen von Harry Dean Stanton und war sehr humorvoll. Der Grund, warum ich zugesagt habe, ist einfach: Harry Dean Stanton hatte auch zugesagt. Ihn kannte ich bereits von ein paar Begegnungen, aber zusammen gearbeitet hatten wir nie.

Sie trafen als Regie-Neuling auf einen Schauspieler mit grosser Erfahrung. Wie lief die Zusammenarbeit?

Es gab drei Schwierigkeiten: Einerseits war da dieses Gefälle. Harry mit seinen 60 Jahren Berufserfahrung, das ist immens. Ich bin zwar auch seit 30 Jahren Schauspieler, als Regisseur aber bin ich unerfahren – und es sind zwei unterschiedliche Jobs.

Die zweite Schwierigkeit: Harry Dean Stanton spielte im Grunde immer Figuren, die sehr nah bei ihm selbst waren. Und drittens: Er war sich bewusst, dass dieser Film sehr nah bei ihm ist. Es sind seine Geschichten und Erlebnisse, bloss anders verwoben.

Ist Lucky nicht identisch mit Harry Dean Stanton?

Nein, auch wenn die Figur dieses alten Mannes in der Wüste klar von ihm beeinflusst ist oder dessen Erlebnisse sogar auf Harry Dean Stantons Leben fussen.

Wir haben auf dem Set oft darüber diskutiert, wie er das spielen soll: Dass er Lucky darstellt und nicht sich selbst – gerade bei dieser offensichtlichen Nähe. Er fand das manchmal recht anstrengend.

Doch «Lucky» ist ein fiktionaler Film. Alle Figuren rund um Lucky sind erfunden. Harry Dean Stanton lebte nicht in der Wüste und er war auch kein einsamer Mensch.

Das Publikum wird sich aber sicher seine Gedanken machen, was denn nun real ist und was Fiktion. Das ist ein Vexierspiel, mit dem der Film auch spielt.

Klar. Ungefähr das erste, was «Lucky» in dem Film sagt, ist: «Realismus ist ein Ding.» Das brachte auch ihm eine gewisse Distanz.

Schon auf dem Set gab es immer wieder Leute, die zu Harry gesagt haben: «Du, hast Du das wirklich erlebt?» Harry hat dann häufig nur abgewunken und gesagt: «Ach was, das ist nur eine fiktive Figur.» Das hat mich zum Lachen gebracht, weil Harry doch immer wieder sich selbst gespielt hat in seinen Filmen.

Harry Dean Stanton ist letzten September 91-jährig gestorben und hat den fertigen Film nicht gesehen. Ist «Lucky» also doch eine Art Vermächtnis für ihn geworden?

Ja, eine Hommage. Das ist auch normal, so kurz nach seinem Tod. Aber ich hoffe, dass der Film in ein paar Jahren immer noch seinen Wert hat, auch wenn man das Leben des Schauspielers dahinter nicht kennt.

film „Lucky“, Quelle: Alamode Film

„Lucky“ am 14. November um 20:15 im Kino Rosental.