Loving Vincent (Polen, Grossbritannien 2017)

„Ich fühle mich völlig ruhig und ganz normal“ Vincent van Gogh

 

Film: Loving Vincent, Quelle: weltkino-filmverleih

Pressestimmen

“Das Staunen lässt sich in Zahlen fassen, aber gebannt ist es damit natürlich nicht. 115 Künstler haben insgesamt 62.450 Ölgemälde komplett von Hand geschaffen. In 95 Filmminuten werden exakt ebenso viele Gemälde Vincent van Goghs zitiert und zu einem anderen Leben erweckt. Die Herstellung von Animationsfilmen ist stets mit einem unvorstellbaren Aufwand verbunden, aber diese polnisch-britische Co-Produktion dürfte auf diesem Feld einige Rekorde brechen.

Die Farben pulsieren in dieser Animationstechnik, der Strich vibriert. Mit einem anderen Maler, der die Farben nicht so dick auftrug, würde das zweifellos nicht so gut funktionieren. Ein Museum in Bewegung. Aber die Figuren hören alsbald auf, van Gogh zu gehören. Die Darsteller, scheinen lebhaft durch den Farbauftrag hervor. Sie spielen wie hinter einer Maske, die es zulässt, das Funkeln in den Augen zu sehen. Vielleicht ist dies das heimliche, das eigentliche Wunder des Films.” Gerhard Midding für epd-film am 25.12.2017

 

Film: Loving Vincent, Quelle: weltkino-filmverleih

 

“Zuerst haben die beiden Regisseure Dorota Kobiela und Hugh Welchman die Szenen in London mit englischen Schauspielern im Studio gedreht, dann haben sie die Aufnahmen nach Danzig, Breslau und Griechenland geschickt, wo sie von über 100 Malern im Stile van Goghs Bild für Bild nachgemalt wurden, um die so entstandenen Gemälde dann wiederum hintereinander abspielen zu können, was man sich ungefähr vorstellen darf wie ein Gemälde-Daumenkino.

„Loving Vincent“ hat die wichtigsten europäischen Sehnsüchte der Reihe nach für das internationale Kinopublikum gebündelt: die Sehnsucht nach dem Ländlichen, die Sehnsucht nach dem Authentischen und Handgemachten, die Sehnsucht nach dem Vorindustriellen. Und natürlich die Sehnsucht nach dem Unbezahlbaren, jenem sagenumwobenen Raum, der sich hinter dem unmittelbar Käuflichen nur erahnen lässt und gerade deshalb immer teurer wird, weil man ihn nicht besitzen kann.” Felix Stephan für welt.de am 27.12.2017

 

Film: Loving Vincent, Quelle: weltkino-filmverleih

 

“Welchman und Kobiela mussten flexibel reagieren, um historisch akkurat zu bleiben: Als sich im Lauf der Produktion herausstellte, dass van Gogh sich 1888, nach einem Streit mit Paul Gauguin, wahrscheinlich das ganze Ohr und nicht nur einen Teil davon abgeschnitten hatte, mussten 3000 Frames neu gemalt werden. Es war nicht die einzige Herausforderung. In der Einstiegssequenz etwa schwenkt das Bild vom Himmel der ikonischen „Sternennacht“ hinunter, bis am Boden Dörfer sichtbar werden. Je zwei Wochen dauerte es, eine Sekunde davon zu animieren. Das Problem war, wie schon beim gepunkteten Kleid, die konstante Bewegung: Konnten in anderen Einstellungen die Hintergründe belassen und nur die Figuren im Vordergrund Bild für Bild bewegt werden (durch wiederholtes Abnehmen und Neuauftragen der Farbe), musste hier im Grunde jedes Frame komplett neu gemalt werden. „Das ist wohl die langsamste Form der Animation, die je erfunden wurde“, sagt Welchman lachend.

Ausgezahlt hat es sich wohl. Der Film, wenn auch inhaltlich nicht allzu fesselnd, zieht visuell in seinen Bann; wie sich hier jeder einzelne Pinselstrich, einmal glatter, einmal störrischer, ins Laufbild fügt, ist verblüffend. „Loving Vincent“ hat den Europäischen Filmpreis gewonnen. Was van Gogh wohl dazu sagen würde? „Er wäre wohl erfreut, dass wir 125 Künstler bezahlt haben – nur seinetwegen!“, sagt Welchman.

Es war van Goghs Traum, ein „Atelier des Südens“ zu errichten, in dem Künstler gemeinsam arbeiten könnten. Gauguin war der erste und einzige Maler, der seiner Einladung folge – der Vorfall mit dem Ohr beendete die Zusammenarbeit abrupt. Dass internationale Künstler nun dank seines Erbes zusammenarbeiteten – und bereits gemeinsame Gruppenausstellungen bestritten –, würde van Gogh überaus beglücken, glaubt Welchman: „Genau das, was er wollte, ist passiert.“ Die ungefähr 1000 Leinwände, die dabei entstanden sind, werden nun zum Teil ausgestellt– und auf der Website des Films (lovingvincent.com) verkauft.” Katrin Nussmayr für diepresse.at am 28.12.2017

Making of Video kommentiert von Regisseur und Produzent des Films: Hugh Welchman. Gefunden auf youtube.