Le tout nouveau Testament (Belgien, 2015)

Lebst Du deinen Traum?

Warum ist der Film Le tout nouveau Testament sehenswert?

Cinéclub Präsidentin Fabienne Duelli: „Dieser Film ist ein Feuerwerk – erst kommt man aus dem Staunen nicht heraus und hinterher blitzen Grundsatzfragen in deinem Kopf auf. Grossartig! Hingehen!“

 

Film: „Le tout nouveau Testament“, Quelle: welt.de

Pressestimmen

“Jaco van Dormael kennt kein Zögern, wenn es um die filmische Umsetzung der naheliegendsten Gedanken in Sachen Religion geht. Beispiele dafür seien hier nicht genannt, denn ein großer Teil des Spaßes von „Le tout nouveau Testament“ liegt in der Überrumpelung, die Van Dormael ein ums andere Mal mit seiner Buchstäblichkeit gelingt. Kombiniert mit einer unaufgeregten Bildersprache (Kamera: Christophe Beaucarne), die dem teils groben Humor zart-melancholische Grauabstufungen entgegensetzt, hält „Le tout nouveau Testament“ genau die Balance zwischen Polemik und Poesie – mithin ein Geschenk für wirklich die ganze Filmfamilie.” Hannah Pilarczyk für spiegel.de am 03.12.2015

 

Film: „Le tout nouveau Testament“, Quelle: NFP

 

“Es hat gewiss schon weniger waghalsige Prämissen gegeben im Kino. Doch Jaco Van Dormael (»Toto der Held«) demonstriert von Anfang an, dass er genug Witz und Fantasie für die ganz großen Fragen besitzt und schwere Themen mit leichter Hand zu behandeln weiß. Er setzt schräge Inszenierung neben dokumentarische Ausschnitte, lässt Giraffen durch die menschenleere belgische Metropole staksen, porträtiert Gottes Zuhause als im Gelsenkirchener Barock eingerichteten Alptraum, verblüfft mit altmodischer und moderner Tricktechnik – und stellt vor allem klar, dass er seine ganz eigene Mischung aus komödiantischer Übertreibung und lebenskluger Seriosität zu präsentieren gedenkt. Der Ton wechselt dabei von zartfühlend bis grotesk (Catherine Deneuve landet mit einem Gorilla im Bett).

Und so offensiv Van Dormael dabei auch übertreiben mag, so ernsthaft ist er doch an seinen Figuren und ihren kleinen und großen Problemen interessiert. Über allem schwebt nichts weniger als die Frage nach dem Sinn des Lebens, die seltsamerweise erst dann eine neue Drehung bekommt, wenn die Endlichkeit der menschlichen Existenz nicht mehr wegzudiskutieren ist. Sanft und zugleich nachdrücklich erinnert uns »Le tout nouveau Testament« daran, keine Zeit zu verlieren.” Frank Schnelle für edp-films am 26.11.2015

 

Film: „Le tout nouveau Testament“, Quelle: NFP

 

Frank Arnold interviewte für edp-films am 8.12.2015 Jaco van Dormael zu seinen Film »Le tout nouveau Testament«

Mich interessieren die Fragen, nicht die Antworten

Frank Arnold: “Brüssel gilt als hässliche Stadt. Wie sehen das die Einwohner? Hassen sie es, dort zu leben?”

Jaco van Dormael: “Nein, sie wissen, dass die Stadt hässlich ist, aber auch, wie man sie für sich aufhübschen kann.”

Frank Arnold: “Haben Sie selber Ihr ganzes Leben dort verbracht?”

Jaco van Dormael: “Nein, bis ich sieben Jahre alt war, wuchs ich in Deutschland auf, in der Nähe von Frankfurt, wo mein Vater als Einkäufer für eine belgische Firma arbeitete. Später habe ich auch ein Jahr in Paris verbracht, aber die meiste Zeit in Brüssel gelebt.”

Frank Arnold: “Eine vielversprechende Ausgangsidee führt nicht automatisch zu dem Reichtum an bizarren Details, die wir in diesem Film erleben. Haben Sie das systematisch erarbeitet?”

Jaco van Dormael: “Für mich ist das Bizarre normal – so etwas zu schreiben, ist für mich alltäglich. Die Zusammenarbeit mit meinem Ko-Autor verlief tatsächlich in einer Art Ping-Pong-Spiel. Wenn ich alleine arbeite, schreibe ich meine Ideen auf Karten und behalte dabei die dreiaktige Struktur im Kopf. Mehr als der Inhalt interessiert mich die Struktur, ich habe den Eindruck, der Inhalt ist die Struktur. Fragen interessieren mich, nicht die Antworten. Die meisten Filme heutzutage haben eine Struktur, wo man auf das Ende wartet, das einem die langersehnten Antworten gibt. Darüber vernachlässigt man die Wichtigkeit dessen, was man in diesem Augenblick erleben könnte. 

Frank Arnold: “Ergibt sich die Struktur erst aus den Details?”

Jaco van Dormael: “Nein, das geht Hand in Hand. Mein Vergnügen ergibt sich nicht aus der Geschichte, sondern daraus, wie ich sie erzähle.”

Frank Arnold: :”Wieviel der finalen Struktur entwickelt sich bei Ihnen erst im Schneideraum?”

Jaco van Dormael: “Die Struktur nicht, wohl aber der Rhythmus. Ich habe hier mit dem Cutter Hervé de Luz gearbeitet, der für Resnais und andere große Regisseure tätig war, Sein Talent ist kein technisches, vielmehr besteht es darin, dass er nach sechs Monaten Arbeit immer noch den Film fühlt und mit kleinen Nuancen Großes schaffen kann.”

Frank Arnold: “Gab es in Ihrem Leben spezifische religiöse Erfahrungen, die Ihre Haltung geprägt haben?”

Jaco van Dormael: “Mein älterer Bruder glaubt an Gott, das gibt ihm eine Art Stärke. Er liest jeden Morgen in der Bibel und sagt anschließend: „Gott führt meine Hand, und ich schreibe Musik.“ Wenn ich mich manchmal negativ über seine Kompositionen äußerte, erwiderte er, er brauche meine Meinung nicht, denn Gott habe sie geschrieben.”

Frank Arnold: “Nicht nur in der Familie Gottes, sondern generell in Ihrem Film sind Frauen das stärkere Geschlecht…”

Jaco van Dormael: “Im Neuen Testament findet man nur wenig über Frauen, Meine ersten Filme habe ich mehr für Männer geschrieben, aber jetzt finde ich Frauen interessanter – die sind mysteriöser.”

Frank Arnold: “Mit Catherine Deneuve haben Sie einen großen Star in Ihrem Film, Wie sind Sie auf sie gekommen?”

Jaco van Dormael: “Ich sah sie in einer Fernsehdebatte, in der es um die gleichgeschlechtliche Ehe ging und sie deren Gegnern vehement entgegenhielt, wir hätten kein Recht zu sagen, das eine sei gut, das andere böse. Ich war voller Bewunderung für diese Frau, die sagte, was sie dachte. Ich ließ ihr das Drehbuch zukommen, und sie sagte „Ja“. Sie kam am Set an und war voller Humor.”

Frank Arnold: “Werden Zuschauer, die religiös sind oder aber Religionskenntnisse haben, mehr aus dem Film mitnehmen können?”

Jaco van Dormael: “Möglicherweise, aber ich habe nicht viele Freunde, die an Gott glauben, so ist das schwer zu sagen. Ich wollte mit dem Film niemanden schockieren, aber ich wollte auch niemanden nicht schockieren. Fanatiker werden bestimmt schockiert sein, weil sie eine andere Auffassung von der Rolle der Frau haben.”

Frank Arnold: “Gab es Reaktionen von offizieller kirchlicher Seite?”

Jaco van Dormael: “Davon weiß ich nichts, aber ich bin mir sicher, wenn der Papst den Film sieht, wird er sich amüsieren.”

Regisseur Jaco van Dormael, Quelle: edp-films
Film: „Le tout nouveau Testament“, Quelle: NFP

 

„Glücklich macht auch diese verspielte und absurde, zu Herzen gehende und durch und durch humanistische Filmfantasie aus der fabelhaften Welt des Jaco van Dormael.“Susanne Luerweg für deutschlandfunk.de am 2.12.2015

 

Film: „Le tout nouveau Testament“, Quelle: NFP

„Le tout nouveau Testament“ am 17. Mai um 20:15 im Kino Rosental.

Ein Gedanke zu „Le tout nouveau Testament (Belgien, 2015)“

  1. Liebe „Cinéclübbler“, liebe Fabienne, liebe Bille
    Da ich an der HV nicht dabei war, möchte ich Euch auf diesem Weg herzlich gratulieren. Zu eurem „Ein-Jahres-Geburtstag“, zu euren lustigen, innovativen Ideen, zu eurer jugendlich-frischen Art, den in die Jahre gekommenen Cinéclub etwas aufzupeppen – und dies, ohne die“old lady’s und vieux hommes“, die langjährigen, treuen Mitglieder, alle Kinofreaks und Leinwandsüchtigen, die Kultigen, Lustigen und und und, dabei zu überrennen… Jetzt gehts erst richtig los….
    Mit grosser Neugier habe ich auf das neue Programm gewartet…. und es mittlerweile studiert und mich gefreut! Toll!
    Herzlichen Dank für alles und toi toi toi!

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