Dior and I (Frankreich 2014)

Was ist deine Zukunftsvision?

Warum ist der Film Dior and I sehenswert?

Vorstandsmitglied Sybille Falkenbach: „Im Zentrum steht das Team. Diese positive unglaubliche Energie, die freigesetzt wird, wenn viele begeisterte Menschen an einem Strick ziehen. Der Zuschauer ist in den entscheidenden Minuten ganz nah bei den Protagonisten. Trotz der eher distanzierten höflichen Kamera. Das ist faszinierend.“

Film „Dior and I“ Quelle: outnow 2015

Pressestimmen

““Dior und ich“ lässt viele Fragen offen, und das ist insofern charmant, als die Ateliers und Werkstätten ohnehin einem Zauberreich gleichen. Es ist bewohnt von unzähligen Feen, die mit leichter Hand und viel Geduld nähen, sticken und sticheln und dabei auch noch gute Laune haben. Bloß Raf nennen sie den neuen Chef nicht – „wir sprechen jeden mit Monsieur an“, erklärt die Chefdirektrice resolut. Zur Schau selbst entsteht dann in einem Pariser Stadtpalais ein Dekor von atemberaubender Schönheit – und Vergänglichkeit.“ Daniela Sannwald für Tagesspiegel.de am 25. Juni 2015

„Tchengs Innenansicht des Modehauses gibt sich nicht als Werbebanner auf Filmlänge zu erkennen, beweist im Gegenzug aber auch keinerlei Entlarvungsfuror. Tcheng zitiert oft aus Diors Memoiren, was eingangs prätentiös klingt, den Film jedoch auf eine Spur der Schizophrenie bringt, denn der neue Chefdesigner spürt einen ähnlichen Widerspruch zwischen öffentlicher und privater Persona wie der Gründer des Modeimperiums.“ Gerhard Midding für edp-films.de am 15. Juni 2016

Film: „Dior and I“ Quelle: Vogue 2015

„Und dann weint er. Raf Simons sitzt mit seinem Assistenten auf dem Dach eines Pariser Herrenhauses. Über ihm strahlt der Sommerhimmel. Aber unter ihm wird in wenigen Minuten die Präsentation seiner ersten Kollektion für das Modehaus Dior beginnen. Erst seit zwei Monaten ist er Chefdesigner bei Dior. Eigentlich ist es unmöglich, in dieser Zeit den gewaltigen künstlerischen und kommerziellen Erwartungen gerecht geworden zu sein. Während Simons unfähig ist, über die eigene Arbeit zu sprechen, erzählen die Chef-Schneiderinnen, die bei Dior „Atelier-Erste“ heißen, und vor allem Simons’ rechte Hand Pieter Mulier in Interviews über den Schaffensprozess ihres Direktors. Simons selbst ist so schüchtern, dass er sich sogar vor seiner eigenen Schau der Presse und den Fotografen nur ungern stellen möchte. Umso bemerkenswerter sind die wenigen teils intimen Einblicke, die er Tcheng gewährt. Simons glaubwürdiges Geständnis vor laufender Kamera, panische Angst vor Kameras zu haben, darf als ein solcher Einblick gelten. Am Ende des Films haben wir nichts über Simons Privatleben erfahren, aber eine sehr genaue Vorstellung gewonnen, wie diffizil es ist, sich im Modezirkus seine Sensibilität zu bewahren.“ Christian Weber für critic.de am 25. Juni 2015

Film: „Dior and I“, Quelle: theguardian, 2015

Werdegang Raf Simons

„Ich führe nicht Kleider vor, Ich zeige meine Geisteshaltung, meine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf. Ich verwende Erinnerungen und Zukunftsvisionen und versuche sie in unsere heutige Welt einzufügen.“ Raf Simons

Raf Simons (geboren 1968 in Flandern) ist ein Quereinsteiger in der Modebranche. Nach dem Studium des Industriedesigns in Genk 1991 absolvierte er bei dem belgischen Modedesigner Walter Van Beirendonck ein Praktikum, wo er unter anderem Showrooms gestaltete, und begann schließlich als Möbeldesigner für Galerien und private Auftraggeber zu arbeiten. Auf Anraten der damaligen Leiterin der Modeschule der Akademie der Schönen Künste in Antwerpen und ohne diesbezügliche Ausbildung wechselte er nach wenigen Jahren in die Modebranche und brachte 1995 in Antwerpen seine erste Modelinie für Herren unter dem Namen Raf Simons heraus.  Seine Entwürfe lässt Simons bei den in Paris abgehaltenen Modenschauen ausschließlich von nichtprofessionellen Models vorführen, die er in den Vorstädten auf der Straße rekrutiert. Durch seine provokante Konzeption von vermummten Jungs in Overalls und Kapuzenpullover brachte er sich 2001 zwei Monate vor dem Angriff auf die Twintowers das Attribut des „modischen Terroristen“ ein.

Von Juli 2005 bis Februar 2012 war Raf Simons Kreativdirektor der Jil Sander AG. Seine erste Schau wurde Anfang 2006 in Mailand präsentiert. Bis zu seinem Engagement bei Jil Sander hatte Simons keine Damenmode entworfen. Seine zum Teil avantgardistischen Entwürfe wurden in der Folge von der internationalen Presse hoch gelobt.  Am 9. April 2012 wurde Simons nach langen Spekulationen vom französischen Modeunternehmen Christian Dior zum Chefdesigner der Damenkollektionen (Prêt-à-porter und Haute Couture) ernannt. Simons hatte bis dahin keine Haute Couture Mode entworfen. Unter Simons‘ Regie stiegen die Verkaufszahlen bei Dior von 2011 bis 2015 um 60%. Simons gab sein Engagement bei Dior Ende 2015 aus eigenen Stücken auf, um mehr Zeit für sich und seine eigene Modemarke zu haben. Im Rahmen seines Rückzugs kritisierte er den immensen Druck aus kommerziellen Gründen auf Modedesigner in der internationalen Modeindustrie.

Anfang August 2016 bestätigte der Eigentümer der Marke Calvin Klein, die Phillips-Van Heusen-Gruppe, Simons‘ Berufung zum Chief Creative Officer (CCO). Simons ist damit für alle Kollektionen, Produktbereiche und Marken bei Calvin Klein verantwortlich. Simons‘ langjähriger Assistent, der Belgier Pieter Mulier, der mit ihm bereits bei seiner eigenen Modemarke und bei Dior gearbeitet hatte, wurde zum Kreativdirektor bei Calvin Klein ernannt. (Quelle: wikipedia 25.1.2017)

 

Regisseur Frédéric Tscheng
Journalist Stuard Brumfitt interviewt Regisseur Frédéric Tcheng für i-d.vice.com

Stuard Bumfitt: „Ich habe gehört, die eher nervös ängstliche Atelier-Chefin Monique kam zur Premiere von Dior and I. Hat den Atelier-Angestellten der Film und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gefallen?“

Frédéric Tcheng: „Ja ich denke schon. Wir hatten eine Sondervorstellung für die Atelier-Arbeiter in Paris. Es war sehr emotional für mich ihnen den Film zu zeigen.  Als Filmemacher, wenn die Menschen dir vertraut haben, möchtest du, dass sich deine Protagonisten wiedererkennen im Film und sie sich nicht verraten fühlen. Monique kam nach der Vorführung zu mir und sagte: „Tu m’as pas loupée,“ was soviel heisst wie: „Du hast mich gut getroffen.“ Sie war glücklich.“

Stuard Bumfitt: „Wie hast Du diesen unglaublichen Zugang bekommen“ Bist Du mit Raf befreundet?

Frédéric Tcheng: „Ich kannte Raf nicht persönlich. Ich traf Olivier Bialobos, damaliger Pressechef von Dior, anlässlich einer Vorführung des Films „The Eye Has to Travel“. Einen Film den wir für Diana Vreeland drehten. Bialobis gefiel der Film sehr, wir blieben in Kontakt und er erzählte mir Dior werde einen neuen Designer anstellen. Ich ergriff die Gelegenheit und sagte ihm was für eine guter Filmstoff das wäre, besonders wenn der neue Designer Raf Simons ist.“

Stuard Bumfitt: „Ich habe immer gehört, Raf sei so zurückhaltend und er scheint auch in keiner Weise extravagant im Film aber er ist gesprächiger als ich erwartete. Und er ist taff! Zum Beispiel wenn er dem Team sagt, Niemand sagt Nein zu Raf Simons.“

Frédéric Tcheng: „Er ist eine sehr leidenschaftliche Person. Wenn ihn etwas stark berührt – und seine Arbeit bewegt ihn immer stark, dann bringt er das auch zum Ausdruck. Mit diesem Film wollte ich ihn wirklich in allen Facetten zeigen.“

Stuard Bumfitt: „Es ist unglaublich, dass Du filmen durftest als er dem Atelier vorgestellt wurde. Man vergisst so leicht: Der grösste Teil des Erfolges eines Designers hängt von der guten Zusammenarbeit mit dem Atelier ab.“

Frédéric Tcheng: „Das wurde der menschliche Teil des Films. Die Geschichte der Zusammenarbeit mit dem Atelier. Pieter erzählt wie nervös sie (er und Raf) waren. Sie waren drei gegen 250 Dior Angestellte. Manche arbeiten schon seit 40 Jahren bei Dior. Sie müssen sich für dich öffnen, es ist also eine sehr angespannte Situation. Besonders, wenn man das alles in acht Wochen schaffen muss.“

Showstudio.com interviewte Frédéric Tscheng 2015 zu den Dreharbeiten

„Dior and I“ am 15. März um 20:15 im Kino Rosental.