45 Years (Grossbritannien 2015)

Wie gut kennst Du deinen Liebsten?

Warum ist der Film 45 Years sehenswert?

Vorstandsmitglied Sybille Falkenbach: „Der Film spielt in der Landschaft der Gesichter zweier grossartigen Schauspieler. Wann darf man schon Charlotte Rampling und Tom Courteney so ungestört beim Denken und Fühlen zusehen? Ein Zeitbombenfilm über die Liebe. Unbedingt hingehen!“

Filmszene "45 Years"
Film „45 Years“ Quelle: spiegel online, 10.09.2015

Pressestimmen:

“Wer in diesem Herbst nur einen Film anschauen will, sollte diesen hier sehen. Denn es ist wirklich sehr selten, im Kino das Gefühl zu haben, man wohne etwas Erstaunlichem bei.

Es gibt wohl kaum eine andere Schauspielerin, die wie Charlotte Rampling mit einem Blick, einer Handbewegung, ihrer Körperspannung die Erkenntnis eines ganzen Lebens erzählen kann. Man möchte nicht aufhören, ihr zuzuschauen, Kate Mercer zu sein.

„Seltsam, dass man die Dinge vergisst, die einen glücklich machen“, sagt Kate einmal lapidar. Zwar macht „45 Years“ auch glücklich. Ihn zu vergessen wird aber schwierig.” 10.09.2015, Anne Hearing in spiegel online

 

Film "45 Years" Quelle: spiegel online, 10.09.2015
Film „45 Years“ Quelle: spiegel online, 10.09.2015

 

„Regisseur Andrew Haigh nimmt sich die Zeit, in langen Einstellungen die Gefühlsaufwallungen zu begleiten. Gelegentlich verdichten sich Szenen zu Eindrücken, die das Herz stocken lassen.“ 03.09.2015, die ZEIT 

„So dezent und zugleich so machtvoll erzählen nur wenige Filme von den Abgründen der Liebe.“ 19.08.2015, Patrick Seyboth in epd-film

 

Andrew Haigh, Regisseur und Charlotte Rampling am Filmset von "45 Years". Quelle: spiegel online 10.09.2015
Andrew Haigh, Regisseur und Charlotte Rampling, Schauspielerin, am Filmset von „45 Years“. Quelle: spiegel online, 10.09.2015

 

Das folgende Interview ist als Bonusmaterial auf der europäischen Kauf-DVD "45 Years" erschienen:

Interview mit Schauspielern Charlotte Rampling, Tom Courteney und dem Regisseur und Drehbuchautor Andrew Haigh:

Journalist: „Warum habt ihr euch entschieden mitzumachen, als Andrew mit dem Buch zu euch kam? Was haben die Figuren Geoff und Kate, dass euch überzeugt hat?“

Charlotte Rampling: „Ein derartiges Drehbuch erhält man nur selten. Man weiss natürlich bei jedem Drehbuch, dass es sich noch entwickelt. Aber der Kern der Geschichte war aussergewöhnlich. Für mich, als Schauspielerin, die es liebt, in die Psyche von Menschen einzutauchen, war es ein Geschenk. Ich war begeistert. Und sagte Andrew sofort zu.“

Tom Courtenay: „Es war ein netter Brief von Andrew dabei und zwei Fotos, die ich sehr einfallsreich fand. Eins von den schneebedeckten Alpen. Und eins von den flachen Norfolk Broads. Auf eine Art erhöhte das die Anziehungskraft des Drehbuchs.“

Charlotte Rampling: „Wenn man seine Rolle versteht, wenn man sie liest wie ein Buch, identifiziert man sich komplett mit einer Figur. Wenn man sich so identifiziert, macht man als Schauspieler eigentlich nur noch eins, man lebt die Figur, man füllt sie mit Gefühlen. Wenn ein Gefühl erforderlich ist, weiss man, welches gebraucht wird. Es ist keine intellektuelle Leistung, es ist eine rein gefühlsmässige, sensorische Leistung. Und das kommt auf der Leinwand ganz gut rüber. Die Kamera saugt das förmlich auf, diese Art von sensorischem Ausdruck eines Schauspielers. Sie erfasst das.“

Andrew Haigh: „Der Regisseur muss dem eigentlich nur Raum geben, es zulassen. Zum Beispiel die Szene, in der Charlotte Klavier spielt. Die gab es im Drehbuch gar nicht. Aber Charlotte kann Klavier spielen. Charlotte und ich besprachen es kurz, sie setzte sich und begann zu spielen. Sie hat es einfach improvisiert. So ist das, wenn ein Schauspieler einen Charakter angenommen hat. Dann sprudelt es einfach aus ihm heraus. Wenn man sich eine Totale von Charlotte am Piano ansieht, scheint man alles zu verstehen, was diese Figur in dem Moment durchmacht. Ich muss nur noch die Kamera anschalten und es zulassen.“

Journalist: „Nachdem ihr Kate und Geoff gespielt habt: wie seht ihr die Beziehung jetzt, nachdem ihr den Film gemacht habt? Ist es eine stabile Beziehung, die in einer momentanen Krise steckt, oder ist die Beziehung in einem Stadium, indem tiefliegende Brüche zutage treten?“

Charlotte Rampling: „Ich finde jeder sollte das Ende selbst interpretieren, abhängig davon, auf was für eine Reise Geoff und Kate einen mitgenommen haben und spüren ob sie zusammenbleiben oder sich trennen werden. Ich glaube, sie wird sich erst einmal trennen. Aber wahrscheinlich kehrt sie zu ihm zurück.“

Tom Courteney: „Ich bin sicher, sie käme zurück.“

(Charlotte Rampling lacht)

Tom Courteney: „Sie täte gut daran.“

Journalist: „Andrew, was meinst du dazu?“

Andrew Haigh: „Ich wollte immer ein offenes Ende, damit man sich in die Geschichte einbringen kann. und überlegen, was man selbst tun würde. Für mich ist das Wichtigste, dass sich für Kate alles verändert hat. Egal ob sie geht oder bleibt, ihr Leben wurde auf den Kopf gestellt. Ich finde es interessant, dass die Figur von Geoff eine existenzielle Krise durchmacht und wieder auftaucht. Und Kates Krise sich etwas später ereignet. Wir sehen ganz am Ende, wie sie bei ihr ausbricht. Ich denke wohl dasselbe wie Charlotte, sie braucht Zeit alleine, aber sie kommen wieder zusammen. Aber es wird nicht dasselbe sein.“

Journalist: „Du installierst von Anfang an ein Bild in unsere Köpfe: von der jungen Frau, die starr und ewig im Eis liegt. Für immer jung. Später wird sie dann wirklich gezeigt. auf dem Dia.  Als du über die Wirkung des Films auf die Zuschauer nachdachtest, wie hat das deine Wahrnehmung der Geschichte beeinflusst?“

Andrew Haigh: „Es ist so ein aussergewöhnliches Bild.  Man vergisst es, aber es schwingt immer mit. Man hat nicht das vor dem inneren Auge, was es wirklich wäre: ein Haufen faltiges Fleisch. Man sieht eine perfekt konservierte hübsche Person… Weil man sich vorstellt, selbst dort zu  liegen. Man stellt sich sein jüngeres Ich vor. Ich habe mit dem Produzenten viel darüber gesprochen, wie der Film zu einer Art Geistergeschichte wird. Tatsächlich gibt es einen Geist im Haus. In den Wänden und in allen Entscheidungen, die Kate und Geoff trafen. Als Kate schliesslich auf den Dachboden steigt, bellt der Hund und die Dielen knarzen. Aber natürlich erzählen wir es nicht wie eine echte Geistergeschichte. Und dann ist sie da oben und sieht die Bilder…und begegnet dem Geist, von Angesicht zu Angesicht…“

Journalist: „Eine Frage an Charlotte und Tom: Was erwartet ihr von einem Regisseur? Was wollt und braucht ihr, wenn ihr einen Film macht?“

Tom Courteney: „Er soll hilfsbereit sein, mitfühlend und einen mögen. Gute Ideen haben und vernünftig sein. Nicht grausam sein, einen nicht zum Weinen bringen…“

Andrew Haigh: „Und nicht zu viel sagen.“ (lacht)

Tom Courteney: „“Und nicht zu viel sagen” ja, das ist gut…Aber es war ja auch so, dass Andrew die Dialoge geschrieben hatte und sie waren sehr gut. Er musste nichts mehr beweisen, er hatte uns schon überzeugt. Bevor der Dreh begann. Wer so kluge Worte für beide Rollen schreiben kann, muss gut sein. Und er war gut. Da habt ihrs. ganz einfach.“

Andrew Haigh: „Danke.“

Andrew Haigh, Regisseur Quelle: spiegel online, 10..09.2105
Andrew Haigh, Regisseur Quelle: spiegel online, 10..09.2105

„Die Hauptfiguren leben in einem Haus, durch das Erinnerungen spuken. Geoffs verunglückte Exfreundin ist dort eine gespenstische Präsenz. Man spürt sie im Knarzen der Dielen, im unerklärlichen Rauschen des Alpenwindes auf dem Dachboden. Unsere Leben sind voller Gespenster – Erfahrungen, die uns niemals loslassen.“ Regisseur Andrew Haigh zum Film „45 Years“

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Film „45 Years“ Quelle: spiegel online, 10.09.2015
und hier noch ein Interview mit Charlotte Rampling:

2 Gedanken zu „45 Years (Grossbritannien 2015)“

  1. Ich habe heute einen Cineclub Kollegen getroffen, der sagte, der nächste Cineclub Film (45 years) würde er nicht sehen wollen. Nicht sein Thema, nicht sein Interesse. Ich habe mir die Geschichte des Films umso mehr zu Herzen genommen. Und ich muss sagen: ich freue mich riesig auf den Film. So verschieden können Ansichten und Interesse sein!

    1. Liebe Barbara
      Wir freuen uns auf Ihr Kommen! Das Thema und der Film „are worthwhile“. Ich freue mich auch darauf ihn nochmals zu sehen. Ich muss allerdings vorwarnen, er lässt einen nicht kalt und bleibt noch eine Weile im Kopf (und Herz).
      Bis morgen – herzlichst Fabienne

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